Montag, 26. September 2016

Interview mit Isabel, eine starke Frau mit einem großem Herz für soziales Engagement.


Unsere Gesellschaft lebt von dem was wir zu ihr beitragen. Auch wenn es uns manchmal so vor kommt als ob sie sich eher verschlechtert, ist es nur der oberflächliche Eindruck der uns durch schnelle Berichterstattung erscheint. Es gibt sie die Alltagshelden und vor allem Heldinnen. Vor einiger Zeit habe ich beschlossen ein paar Interviews in den Blog einzubauen, über starke Frauen und Mütter deren Einsatz unsere Welt etwas schöner macht. Ich starte diese Reihe mit meiner Schulfreundin Isabel, die mich immer wieder neu inspiriert und erstaunen lässt. Kennt auch Ihr Alltagsheldinnen dann lasst es mich gern wissen.

Katharina: Liebe Isabel, wir kennen uns schon eine ganze Weile und nachdem der Kontakt etwas abgebrochen war haben wir uns im sozialen Netzwerk wieder getroffen. Da du mich als junge Mama und mit Deinem sozialem Einsatz für andere Menschen inspirierst und beeindruckst, möchte ich Dich auf meinem Blog erwähnen um auf Deine sozialen Projekte aufmerksam zu machen und anderen Menschen zu zeigen wie man sich einsetzen kann.

Isabel: Liebe Katharina, vielen Dank für die netten Worte. Ich bin froh, dich bereits seit unserer Schulzeit zu kennen. Auch wenn einem der Alltag trennt, erinnert man sich immer an Menschen, die einem ähneln und die man mag.

Katharina: Das erste Mal bist Du mir mit Deinem Projekt „Ich verschenke meinen Schlafsack“ aufgefallen, als Du damals einen Aufruf auf Facebook gestartet hast. 
Es richtet sich an alle die einen Schlafsack und mehr für Obdachlose übrig haben. 
Wie bist Du damals auf dieses Projekt gekommen?

Isabel: Die Geschichte ist eigentlich ganz traurig. Ich bin im Winter 2011 mit der Bahn zur Arbeit gefahren. Als ich aus Dieser ausstieg, sah ich einen Mann mit Sandalen. 
Wir hatten tiefsten Winter. Ich bin in eine andere Richtung gelaufen und dachte darüber nach. Ca. 2 Minuten später entschied ich mich, mir den Mann zu schnappen und Winterschuhe kaufen zu gehen. Allerdings war es zu spät und der Mann war nicht mehr auffindbar. Auf Arbeit hat mir das keine Ruhe mehr gelassen und betrachtete währenddessen einen Schlafsack, welcher in meinem Regal noch von der letzten Ferienfahrt lag. Ich überlegte mir, diesen einem Obdachlosen zu schenken. Weiter kam mir die Idee, dass dies vielleicht auch andere könnten. Somit war die Idee geboren.

Katharina: Inzwischen steht in Dresden regelmäßig ein Verpflegungsbus an einer bestimmten Stelle der auch Essen für bedürftige bietet. Wie kam dies zu Stande?

Isabel: Wir sammelten am Anfang lediglich Schlafsäcke über die gegründete Seite bei Facebook. Hinzu gaben die Menschen dann noch Sachen. Ab und zu gab es mal ein paar Euro, welche wir gleich in frische Unterwäsche und Socken umgesetzt haben. Damit sind wir dann naiv durch die Straßen gegangen und wollten Sie verteilen. Natürlich klappte das nicht einfach so. Dann peilten wir die ganzen Organisationen wie Heilsarmee, Diakonie und auch die Treberhilfe an. Letzteres war ein Glücksgriff, denn diese sind sehr engagiert in der Obdachlosenhilfe. Sie hatten bereits einen Draht zu den Bedürftigen. Ebenfalls hatten sie einen Bus, welcher zu der Zeit ungenutzt war. Gemeinsam konnten wir diesen dann durch weitere Spenden in Bewegung setzen. Nun ist er eigentlich regelmäßig in der Stadt am Maredo.

Katharina: Wie wird das Projekt angenommen von Bedürftigen als auch von Helfern oder anderen Menschen? Wie ist Euer Feedback?

Isabel: Also unsere Essensbehälter werden immer leer. Ohne die Hilfe der Ehrenamtlichen, der Mitarbeiter der Treberhilfe, aber auch der Spender der Mahlzeiten würde das Projekt nie möglich sein. Leider kann ich durch meinen Umzug nicht mehr vor Ort sein, freue mich aber immer wieder zu sehen, wie toll das die Menschen vor Ort gestalten. Ihnen gebührt der große Dank.

Katharina: Durch einen Umzug nach Bayern hast Du ein zweites Projekt ins Leben gerufen. In Zeiten der Flüchtlingskrise hast Du den Helferkreis Schongau gegründet.
Nicht nur für Flüchtlinge, auch für jede andere Art von Lebewesen die Hilfe benötigen.
Wie bist Du hierzu gekommen?

Isabel: Als ich hierher gezogen bin, fehlte mir was. Obdachlose gab es in der Kleinstadt nicht. Die Flüchtlinge aber waren da. Ich war natürlich neugierig und schaute mir unsere befüllte Turnhalle an. Ich war begeistert – wollte helfen. Jegliche Anfragen an die alteingesessenen Helfer ging ins Leere. So hat mir das nicht gefallen. Ich dachte, vielleicht gibt es noch mehr Menschen die helfen wollen, aber nicht wissen wo. 
So gründete ich den Helferkreis. Ich wollte aber auch andere Hilfsbedürftige nicht ausschließen. So gilt dieses Angebot noch heute für Alle, die Hilfe brauchen.

Katharina: Ohne auf ein Ost-West-Ding einzugehen möchte ich fragen, gibt es einen Unterschied in der sozialen Arbeit zwischen Sachsen und Bayern?

Isabel: Unterschiede an Sich kann ich nicht feststellen. Wobei man auch noch zwischen Groß- und Kleinstadt unterscheiden muss. Man konnte die Helfer in Dresden vielleicht schneller für sich gewinnen. Aber das kann ich auch nicht einfach so sagen, denn die Vorbehalte bezüglich der Flüchtlinge ist größer, als die der Obdachlosen.

Katharina: Besonders fällt mir Dein Einsatz für die Flüchtlinge auf, das kann man wundervoll auf Facebook verfolgen. Was hast Du für Erfahrungen gemacht? Viele Frauen fühlen sich etwas unwohl zwischen den Flüchtlingen, Du wirkst nicht so. Wie empfindest Du es?

Isabel: Die Angst vieler Menschen ist so unbegründet. Natürlich gibt es auch hier schwarze Schafe, dies will ich gar nicht verleugnen. Allerdings ist mir noch nie etwas passiert und ich arbeite hier ehrenamtlich für viele Einrichtungen. Ich gehe da auch überall allein hin, zu jeder Tageszeit. Ich nehme sogar meine 10 Jährige Tochter überall mit hin. Kinder werden auf Händen getragen, dass wissen viele nicht. Meine Tochter gibt sogar ab und zu Nachhilfe in Deutsch. Ich musste auch schon mal einen „Babysitter“ aus Afghanistan engagieren. Wir haben auch einen, der schläft ganz oft bei uns. Einige sind hier sogar meine besten Freunde geworden. Man kann so viel lernen, man muss es nur wollen.

Katharina: Wie sieht Deine Arbeit oder überhaupt die Arbeit im Helferkreis aus?

Isabel: Am Anfang bestand die Arbeit hauptsächlich aus der Ersthilfe. Kleidung, Zahnbürsten, etc. besorgen. Danach kamen die Deutschkurse. Auch ich habe eine Zeit lang einen Kurs geleitet. Dann haben wir Projekte geschmiedet. Ein tolles Fußballprojekt ist entstanden, wo wir schon einige Siege in Süddeutschland gewinnen konnten. 
Wir haben eine Fahrradwerkstatt gegründet, einen Flüchtlingstreff und auch eine Kleiderkammer. Davon abgesehen haben wir einen Garten vor einer Unterkunft bepflanzt, können Ausflüge organisieren usw.. In Moment arbeiten wir auf Abruf. 
Dies bedeutet, dass die Flüchtlinge uns anschreiben, wenn Sie Hilfe brauchen. Diese Hilfe reicht von Anträgen, Wohnungssuche, Hilfe bei Anwälten, Übersetzungen, Arztfahrten bis hin zur alltäglichen Dingen wir Stromausfall. Wir sind auch eine Schnittstelle zwischen dem Landratsamt und den Flüchtlingen.

Katharina: Du kommst nun täglich in den Kontakt mit den verschiedensten Schicksalen, woher nimmst Du Deine Motivation?

Isabel: Es ist weniger die Motivation, mehr die Kraft. Die einzelnen Geschichten sind wirklich sehr schlimm. Ich hatte schlaflose Nächte, habe versucht professionelle Hilfe für wirklich Harte Fälle zu organisieren. Bin oft an meine Grenzen gestoßen, weil ich oft von Ämtern oder Ärzten zurückgewiesen wurde. Die Bürokratie steht der Hilfe oft im Weg. 
So bleibt es an den Ehrenamtlichen hängen. Man muss selber damit klarkommen. Erst im Sommer haben wir das Angebot einer Psychologin bekommen, die ehrenamtlich die Helfer betreuen würde. Man glaubt es kaum, aber auch Helfer brauchen Hilfe. Wenn man kaputt ist, nützt man Niemanden.

Katharina: Man mag es kaum glauben, aber Du bist auch noch berufstätig und Mutter. Dein Tag müsste wohl 48 Stunden haben, wie schaffst Du das?

Isabel: Ja, das wäre schön. Ich stand im Frühjahr auch kurz vor dem Burnout. Es war wirklich zu viel. Ich musste etwas zurückrudern. Man braucht viel Organisationstalent. Aber die Freude ist geblieben, dies ist mein Antrieb.

Katharina: Als letzte Frage möchte ich wissen wie kann man Eure soziale Arbeit unterstützen und was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Isabel: Besucht uns doch einfach auf unseren Seiten bei Facebook. Dort bekommt man alle Informationen oder Hilferufe mit. Ehrenamtliche, die sich engagieren wollen, werden mit offenen Armen empfangen – in Dresden wie in Schongau.




Katharina: Vielen Dank, dass Du Dir für meine Fragen Zeit genommen hast und danke für dein soziales Engagement. In meinen Augen bist Du ein Vorbild für unsere Gesellschaft.




1 Kommentar:

  1. Wow, ich bin ganz begeistert! Eine wirklich starke Frau mit scheinbar endlos großem Tatendrang! Toll, dass es solche Menschen gibt, die sich so für Schwächere einsetzen!Absolut bewundernswert!
    Gruß Sylvi

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